Bekannt ist das Verfahren, eine Blutprobe zur Analyse in Form kleiner Tropfen auf einem Filterpapier zu gewinnen, schon seit den 1960ern – seit dem von Robert Guthrie entwickelten Test zum Screening von Neugeborenen auf Anzeichen einer Phenylketonurie. Mittlerweile wird die sogenannte Dried Blood Spots (DBS)-Analyse zur Diagnostik diverser hormoneller und metabolischer Erkrankungen bei Neugeborenen weltweit eingesetzt. Die Früherkennung dieser Krankheiten bildet die Voraussetzung für das rechtzeitige Einleiten häufig lebensrettender Therapien.

Vorteil der getrockneten Blutstropfen ist vor allem der minimal invasive Eingriff zur Gewinnung der Probe. Hierfür wird nicht einmal ein Arzt benötigt. Außerdem sind die meisten Analyten in dem getrockneten Blut über Wochen stabil. Die Probe kann so unkompliziert bei Raumtemperatur transportiert werden. Zur längeren Lagerung empfiehlt sich eine kühle und trockene Umgebung – idealerweise im Kühlschrank. Für das Fachpersonal, das mit der Probe hantiert, stellt das getrocknete Blut ein sehr geringes Infektionsrisiko dar.

Damit sind Dried Blood Spots nicht nur für das Neugeborenen-Screening hervorragend geeignet, sondern qualifizieren sich in besonderem Maße auch für die serologische Diagnostik von Infektionskrankheiten oder Autoimmunerkrankungen beispielsweise in schwer zugänglichen Regionen mit spärlicher medizinischer Infrastruktur. Die DBS-Analysen sind zudem hervorragend für Screening- und Monitoringzwecke gesundheitsbewusster Menschen geeignet. Durch die eigenständige Sammlung von Blutproben zu jeder Zeit und an jedem Ort, ermöglichen sie den individuellen Zugang zu einem breiten Spektrum an Laboranalysen.

Blutentnahme und -extraktion

Die Durchführung der Probenentnahme und -extraktion sind sehr simpel:

Mit Hilfe einer Lanzette wird die Fingerspitze (oder das Ohrläppchen) punktiert und ein Blutstropfen auf das Trägermaterial, beispielsweise vorgefertigtes Filterpapier (z.B. PerkinElmer #226), getupft. Der Probenträger wird dann an ein Labor versendet und dort weiterverarbeitet. Aus der Mitte des getrockneten Blutstropfens wird ein Kreis definierter Fläche herausgestanzt, und das Plättchen in ein unbeschichtetes Reaktionsgefäß (z.B. eine Mikrotiterplatte) überführt. Alternativ zum Filterpapier kann auch der EUROCheck-Probenträger verwendet werden. Dieser Probenträger im Kartenformat wurde speziell für die einfache und schnelle Blutprobensammlung von Zuhause aus entwickelt. An den Seiten sind 2x 3 Probenplättchen angebracht, auf die das Blut getropft werden muss. Die Karte wird an das Labor geschickt, wo die Plättchen leicht von der Karte abgelöst und analog zu dem Filterpapier in ein Reaktionsgefäß gelegt werden.

Hier wird das getrocknete Blut mit dem definierten Volumen eines Puffers aus dem Probenträger herausgewaschen. Der entstehende Extrakt kann dann wie eine verdünnte Blutprobe für die jeweils angeforderte Analyse im ELISA oder Blot-System eingesetzt werden.

Die Machbarkeit, serologische Analysen mit Dried Blood Spots als Ausgangsmaterial durchzuführen, wurde bereits für eine Vielzahl der EUROIMMUN-ELISA und ausgewählte Linienblots gezeigt. Einige Testsysteme wurden darüber hinaus für die Verwendung von DBS bereits CE-gekennzeichnet, darunter ELISA und EUROLINEs für die Borreliose-Diagnostik sowie der Anti-CCP-ELISA (IgG; Rheumatoide Arthritis) und der Anti-Gliadin (GAF-3X)-ELISA (IgG; Zöliakie). Machbarkeitsstudien für weitere Testsysteme werden derzeit durchgeführt und auf Wunsch auch neu initiiert.