Die Palette der molekularen Allergiediagnostik-Produkte auf Basis definierter Partialallergene (DPA-Dx) wurde um den neuen EUROLINE Insektengifte 2 zur Diagnostik von Bienen- und Wespengiftallergien erweitert.

Der neue Blotstreifen umfasst neben den Bienen- und Wespengiftextrakten (i1 und i3) sowie den Hauptallergenkomponenten Api m1 und Ves v5 jetzt auch drei weitere definierte und klinisch relevante Komponenten, die alle zusammen in einer Inkubation (max. 400 µl Serumprobe) getestet werden können: Die bedeutende Wespengiftkomponente Ves v1 sowie weitere Komponenten des Bienengifts Api m2 plus Api m10. Eine IgE-Antikörperreaktion mit Ves v1 oder Ves v5 weist mit großer Sicherheit auf eine echte Sensibilisierung gegenüber dem Wespengift hin. Eine Kreuzreaktion im Zuge einer Bienengiftallergie ist unwahrscheinlich, eine erfolgreiche Behandlung durch Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie, SIT) in diesen Fällen daher möglich. Ebenso wird bei einer Reaktion auf Api m1 eine SIT gegen Bienengift empfohlen, da das Testergebnis stark auf eine echte Bienengiftallergie hindeutet. Zusätzlich ist die Bienengiftkomponente Api m10 auf dem Blotstreifen verfügbar – eine instabile Komponente, die im Extrakt i1 in der Regel stark unterpräsentiert ist oder durch die Aufbereitung der Lösung gänzlich verloren geht. Die Allergie eines Patienten, der auf Api m10 sensibilisiert ist, würde bei einer Untersuchung nur auf Grundlage des Bienengiftextraktes vermutlich unerkannt bleiben, wie folgendes Fallbeispiel zeigt:

Ein Imker aus Norddeutschland wird im Sommer 2015 nach langer Zeit erstmals wieder von einer seiner Bienen gestochen. Er erleidet einen anaphylaktischen Schock, die extremste Form der allergischen Reaktion. Bislang hatte er nach einem Bienenstich nie allergisch reagiert und auch der erste Test beim Arzt ergab ein negatives Ergebnis. Dort wurde eine Serumprobe des Patienten mithilfe des DPA-Dx EUROLINE Insektengift 1 (Bienengiftextrakt i1, Api m1, Wespengiftextrakt i3, Ves v5) auf spezifische IgE-Antikörper untersucht – erfolglos! Auf Bitte des Arztes untersuchte unsere Fachabteilung die Probe des Imkers mithilfe des neuen EUROLINE Insektengifte 2 ein weiteres Mal. Diese zweite Analyse ergab tatsächlich eine mäßig erhöhte Konzentration der IgE-Antikörper (RAST-/EAST-Klasse 2) gegen die Bienengift-Komponente Api m10. Die Schwere der Reaktion blieb bei dem (quantitativen) Ergebnis jedoch auf den ersten Blick weiter verwunderlich. Eine Messung des Gesamt-IgE-Spiegels zeigte schließlich, dass dieser sehr niedrig ausfiel, weshalb offenbar der in Relation dazu recht hohe Anteil der Anti-Api m10-IgE ausreichte, um den anaphylaktischen Schock auszulösen.

Doch trotz der erfolgreichen Diagnose blieb für den Imker ein Wermutstropfen: Eine SIT gegen Bienengift ist im Fall einer Sensibilisierung auf die Nebenkomponente Api m10 geradezu aussichtslos. Denn auch in dem Therapeutikum, das im Laufe der Hyposensibilisierung verwendet wird, ist Api m10 nur in geringer Dosis vorhanden. Eine Gewöhnung des Immunsystems an die Allergenkomponente im Laufe der Behandlung ist sehr unwahrscheinlich. Der Imker wird also in Zukunft mit der Allergie leben und noch mehr Vorsicht im Umgang mit den Bienen walten lassen müssen. Für den akuten Notfall sollte er entsprechende Medikamente bei sich tragen. Eine langwierige, aber nutzlose Behandlung kann er sich dank der molekularen Allergiediagnostik jedoch ersparen.