Alzheimer ist eines der großen Schreckgespenster des Altwerdens. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, die sich durch absterbende Nervenzellen und Nervenzellverbindungen auszeichnet. Besonders betroffen sind Hirnareale, die für das Gedächtnis, das Denkvermögen, die Sprache und die räumliche Orientierung zuständig sind. Das Ergebnis ist Demenz: eine nachlassende Gedächtnisleistung sowie Sprachstörungen und Orientierungslosigkeit, die zu erheblichen Schwierigkeiten in der Bewältigung alltäglicher Aufgaben führen.

Charakteristisch für die Alzheimer-Erkrankung sind Proteinablagerungen innerhalb und außerhalb der Nervenzellen, die zu ihrem Absterben und damit zu einer abnehmenden Hirnmasse führen. Die als Plaques bezeichneten Verklumpungen außerhalb der Zellen bestehen aus β-Amyloid-Peptiden, die in verschiedenen Längen vorkommen, unter anderem das kürzere β-Amyloid 1-40 und das längere β-Amyloid 1-42. Beide Varianten werden bei gesunden Menschen in dem Maße aus dem Gewebe entfernt, in dem sie produziert werden. Bei Alzheimer-Patienten ist der Metabolismus des β-Amyloids gestört und überschüssige Proteinfragmente, besonders β-Amyloid 1-42, verklumpen zu Plaques. Die Ablagerungen innerhalb der Zellen treten als neurofibrilläre Bündel auf und bestehen aus dem Tau-Protein, das in den Nervenzellen von Alzheimer-Patienten stärker als normal modifiziert (hyperphosphoryliert) wird und deshalb übermäßig aggregiert.

Eine endgültige Diagnose der Alzheimer-Krankheit ist schwierig und erfordert den direkten Nachweis der neuropathologischen Veränderungen im Gehirn. Darüber hinaus gibt es jedoch eine Reihe guter Indikatoren, auf deren Basis sich die Erkrankung mit großer Sicherheit klinisch diagnostizieren lässt. Dazu zählt in erster Linie die Feststellung geistiger Leistungseinschränkungen und Verhaltensänderungen, die nicht mit dem Alter des Patienten erklärt werden können. Bildgebende Verfahren unterstützen besonders die Differentialdiagnostik. Durch tomographische Aufnahmen des Gehirns lassen sich eventuelle Tumore, Hirnschädigungen, Infarkte oder Blutungen, aber auch Abnahmen der Hirnmasse und die β-Amyloid-Plaques erkennen. Ihre Existenz ist jedoch bereits Kennzeichen eines fortgeschrittenen Krankheitsprozesses. Von großer Bedeutung sind deshalb Biomarker, die sich schon in frühen Phasen der Erkrankung feststellen lassen, um den Verlauf der Alzheimer-typischen Pathologie und die Prognose für den Patienten besser einschätzen, und therapeutische Maßnahmen einleiten zu können. Erhöhte Werte für Gesamt-Tau (Tau- und phosphoryliertes Tau-Protein) und erniedrigte Werte für β-Amyloid im Liquor (Hirn- und Rückenmarksflüssigkeit) sind Hinweise auf eine beginnende Alzheimer-Erkrankung. Insbesondere die β-Amyloid 1-42-Konzentration nimmt bei Alzheimer-Patienten ab, mitunter bereits fünf bis zehn Jahre vor einer beginnenden Demenz. Die β-Amyloid 1-40-Konzentration hingegen wird durch die Erkrankung kaum beeinflusst. Sie ist vielmehr ein Maß für die individuelle β-Amyloid-Produktion, die von Patient zu Patient unterschiedlich sein kann. Aus der Berechnung des Verhältnisses beider Werte (β-Amyloid 1-42/ β-Amyloid 1-40) kann deshalb die Frühdiagnostik von Alzheimer individualisiert und ihre Effizienz erheblich gesteigert werden. Zusätzlich ist die Ratio-Bildung hilfreich bei der Differenzierung der Alzheimer-Erkrankung von anderen Formen der Demenz.

EUROIMMUN hat in Zusammenarbeit mit ADx Neuroscience, einem belgischen Unternehmen, das durch Wissenschaftler mit langjähriger Erfahrung in der Alzheimer-Forschung gegründet wurde, eine neue ELISA-Testgeneration für die Bestimmung von β-Amyloid (1-40, 1-42) und Gesamt-Tau im Liquor entwickelt. Sie basieren auf hochspezifischen Antikörpern – sowohl zur Bindung der Analyten an die Mikrotiterplatte als auch für ihren Nachweis (Capture-ELISA). Zusammen mit verfügbaren, lyophilisierten Kalibratorreihen und Kontrollen liefern die ELISA präzise und reproduzierbare Konzentrationsbestimmungen. Matrixeffekte, welche die Messergebnisse beeinflussen könnten, wurden nicht festgestellt. Eine automatisierte Abarbeitung der ELISA ist ebenfalls möglich, zum Beispiel auf dem Analyzer I und I-2P.