Differenzierte Diagnostik von Alphaviren-Infektionen: Ein Ausblick für Epidemiologie und Patientenversorgung

Alphaviren – darunter bekannte Vertreter wie das Chikungunya-Virus – sind längst nicht mehr nur ein Problem tropischer Regionen. Durch den Klimawandel und die damit zusammenhängende Ausbreitung von Stechmücken als Krankheitsüberträger steigt die Zahl dokumentierter Infektionen auch in Europa. Eine präzise Diagnostik und epidemiologische Überwachung werden immer wichtiger, um Infektionen frühzeitig zu identifizieren und um geeignete Maßnahmen im Falle von Krankheitsausbrüchen zu ergreifen.

Diagnostische Herausforderungen

Die serologische Diagnostik basiert auf dem Nachweis virusspezifischer Antikörper. Aufgrund der hohen Antigenhomologien innerhalb der Gattung der Alphaviren kommt es jedoch häufig zu Kreuzreaktionen. Dadurch können positive Antikörpertestergebnisse nicht eindeutig einem spezifischen Virus zugeordnet werden, was die Aussagekraft konventioneller Testsysteme limitiert. Der Virus-Neutralisationstest (VNT) als derzeitiger Goldstandard bietet demgegenüber zwar eine hohe Spezifität, ist jedoch zeit- und ressourcenintensiv und für Routinelabore kaum praktikabel.

Verbesserte Versorgung

Das Projekt OPT-ALPHA zielt auf genau diese diagnostische Lücke ab. Im Rahmen dieses Verbundprojekts entwickelt das Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI gemeinsam mit dem Institut für Virologie der Charité und Euroimmun ein Testsystem, das Antikörper gegen verschiedene Alphaviren zuverlässig unterscheiden kann. Dabei bringt das Fraunhofer-Institut seine Expertise bei der Entwicklung serologischer Assays und Herstellung rekombinanter Antigene ein. Die Charité übernimmt die Validierung mittels eindeutig charakterisierter Patientenseren, während Euroimmun den Transfer vom Prototyp in ein marktreifes Produkt verantworten wird.

Ziel ist ein kommerziell erhältliches Testsystem, das:

  • hohe Sensitivität und Spezifität bietet
  • schnell und effizient in der Routine einsetzbar ist
  • in herkömmlichen Laboren abgearbeitet werden kann (kein Speziallabor notwendig)

Das Projekt wird als trilaterales Transferprojekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und dem Fraunhofer-Institut gefördert.

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