Eine neue gemeinsame Studie von Euroimmun und Forschern aus der Türkei berichtet, dass sowohl ELISA als auch Immunoblot für die serologische Stadieneinteilung von Epstein-Barr-Virus (EBV)-Infektionen eine ausgezeichnete Übereinstimmung der Ergebnisse im Vergleich zum Referenzstandard, dem indirekten Immunfluoreszenztest (IIFT), zeigen.
Eine weit verbreitete Infektion
EBV ist ein ubiquitär vorkommendes Herpesvirus, mit dem mehr als 95 % der Weltbevölkerung infiziert sind, in der Regel bereits im Kindesalter. Es ist eine der Hauptursachen für infektiöse Mononukleose. Nach der Erstinfektion geht das EBV in eine Latenzphase über, in der es unter Immunsuppression reaktiviert werden kann. Es wird mit mehreren bösartigen Tumorerkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen in Verbindung gebracht, darunter Burkitt-Lymphom, Nasopharynxkarzinom, Multiple Sklerose und systemischer Lupus erythematodes.
Wichtige Antikörper für die EBV-Diagnostik
Die Diagnose einer EBV-Infektion basiert in erster Linie auf dem Nachweis spezifischer Antikörper gegen verschiedene EBV-Antigene. IgM gegen das virale Capsidantigen (VCA) ist der früheste Marker einer Primärinfektion. IgG gegen VCA tritt kurz darauf auf und persistiert lebenslang. IgG gegen das frühe Antigen (early antigen, EA) tritt während der akuten Phase auf und nimmt in der Regel innerhalb von Monaten wieder ab. IgG gegen das nukleäre Antigen (Epstein-Barr nuclear antigen, EBNA) erscheint 6 bis 8 Wochen nach der Infektion und dient als Marker für eine zurückliegende Infektion.
Zur Unterscheidung von akuten und vergangenen Infektionen wird – beispielsweise von den Centers for Disease Control and Prevention (CDC) – eine parallele Untersuchung von Anti-VCA-IgG/IgM, Anti-EA-IgG und Anti-EBNA-IgG empfohlen. Die Prüfung der Avidität von IgG gegen VCA erhöht die diagnostische Genauigkeit zusätzlich, indem sie auf Basis des Reifegrads der IgG-Antwort zwischen frühen und späteren Stadien der Primärinfektion unterscheidet. Dies ist besonders nützlich, wenn serologische Muster atypisch erscheinen.
Vergleich dreier Methoden
Die Referenzmethode für die EBV-Serologie ist der hoch sensitive und spezifische indirekte Immunfluoreszenztest (IIFT). Um die Effizienz von ELISA und Immunoblot im Vergleich zum IIFT zu bewerten, wurden in der Studie die Antikörperreaktionen von 200 pädiatrischen Patienten mit Verdacht auf EBV-Mononukleose und 40 Kontrollpersonen analysiert.
Antikörper gegen VCA (IgM, IgG), EA (IgG) und EBNA (IgG) wurden mit dem IIFT EUROPLUS BIOCHIP-Sequenz EBV, EBV-ELISAs und dem EUROLINE Anti-EBV-Profil 2 von Euroimmun bestimmt. Die Anti-VCA-IgG-Avidität wurde zusätzlich mittels IIFT und ELISA bewertet. Die automatisierten Plattformen EUROLabWorkstation ELISA und EUROBlotOne wurden zur Verarbeitung der ELISAs bzw. Immunoblots verwendet.
Starke Übereinstimmung der Ergebnisse
Wie erwartet ermöglichte die IIFT-Analyse, einschließlich der Bestimmung der Avidität, eine klare Klassifizierung früher, später und vergangener Stadien einer EBV-Infektion in fast allen 240 Proben. Die ELISA- und Immunoblot-Ergebnisse zeigten eine nahezu perfekte Übereinstimmung mit den IIFT-Ergebnissen hinsichtlich der EBV-Stadieneinteilung. Die Genauigkeit der ELISA-Daten wurde noch durch die zusätzliche Analyse der Anti-VCA-IgG-Avidität erhöht, was zur Klärung unklarer oder atypischer Antikörperprofile beitrug.
Der ergänzende EBV-DNA-Nachweis zeigte eine Sensitivität von 60 %. Die Autoren merken an, dass eine Testung auf EBV-DNA nützlich sein kann, wenn serologische Ergebnisse nicht eindeutig sind, diese allein aber nicht ausreichen, um eine akute Infektion zuverlässig zu erkennen.
Implikationen für die Routinediagnostik
Die Ergebnisse zeigen, dass der ELISA – inklusive Aviditätsbestimmung – eine zuverlässige und effiziente Alternative zum IIFT für die routinemäßige EBV-Diagnostik darstellt. Da der ELISA weniger spezialisierte Geräte, Fachkenntnisse und Kosten erfordert als der IIFT, kann er eine praktische Lösung für Labore sein, die eine genaue serologische Einstufung anstreben ohne die Anforderungen der Referenzmethode.
Lesen Sie die vollständige Studie:
Güvenç et al. Efficiency of Different Serological Methods for Diagnosing Epstein−Barr Virus Infection and Atypical Serological Profiles. Journal of Medical Virology, 2025; 97:e70724 1 of 10 https://doi.org/10.1002/jmv.70724


