Das Labor muss größer werden, damit die Produktion gesteigert werden kann – gibt es da etwas Besseres, als aktiv an der Planung mitwirken zu können? Marleen und Kristin haben gemeinsam mit vielen anderen Kollegen ein Labor mit erhöhter Sicherheitsstufe geplant und umgesetzt. Mir haben sie erzählt, welche Besonderheit ihr neues Labor hat, auf was sie achten mussten und wie sie persönlich die Planungsphase empfunden haben.

Und so sitze ich an einem Montagmorgen Ende Mai nicht wie sonst an meinem Schreibtisch, sondern stehe mit einem weißen Kittel ausgestattet in unserem Labor für Immunfluoreszenz-Diagnostika Tropenkrankheiten in Dassow. Ich warte auf Kristin und Marleen. Die beiden Biologielaborantinnen begleiten mich heute bei der Besichtigung „ihres“ neuen Labors. Im Sommer dieses Jahres soll es fertiggestellt werden, damit die Zellproduktion für unsere Testsysteme an die beständig steigende Nachfrage angepasst werden kann. Für mich als eingefleischte Bürobiene ist der Besuch in unseren EUROIMMUN-Laboren immer extrem spannend, weshalb ich mich sehr über die Einladung der beiden gefreut habe. Ich kann es kaum erwarten, alles über die Planung und Umsetzung der neuen Räume zu erfahren.

Was unterscheidet das künftige Labor vom jetzigen?

„Vorab muss man wissen, dass die neuen Räume in zwei Bereiche aufgeteilt sind. In einen größeren gentechnischen Arbeitsbereich und einen kleineren Bereich mit einem Sicherheitslabor der Schutzstufe 3** gemäß Biostoffverordnung. In dem größeren Gentechniklabor arbeiten wir unter Sicherheitsstufe S1, bei der von einem sehr geringen Risiko für Mensch und Umwelt auszugehen ist“, erklärt Marleen. In Bereichen mit Sicherheitsstufe 3** sieht das anders aus. Hier gilt es nicht nur, das Zellmaterial vor äußeren Einflüssen zu schützen, sondern auch die Mitarbeiter vor bestimmten Substanzen, mit denen sie arbeiten – es werden hier nämlich zum Beispiel Zellen mit Viren infiziert, die sich rasant verbreiten können.
Aktuell stellt das Robert Koch-Institut die Zellen, die unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen produziert werden müssen, für uns her. In den neuen Laborräumen können einige dieser Arbeiten erstmalig von EUROIMMUN übernommen werden. „Wir standen also nicht nur vor der Herausforderung, einen leeren Raum auf Papier in einen Arbeitsbereich zu verwandeln, sondern durften dabei auch die strengen Arbeitssicherheitsvorschriften auf keinen Fall aus den Augen verlieren.“ So musste bei der Planung auch bedacht werden, dass eine Schleuse benötigt wird, in der die Kollegen Schuhe und Kittel wechseln, bevor sie ihren Arbeitsplatz im S3**-Labor betreten oder verlassen. „Zu Beginn haben wir einen Grundriss von den Kollegen aus dem Bauingenieurwesen erhalten und dann Sterilwerkbänke, Brutschränke, Arbeitsplätze und Glastrennwände in Form kleiner Papierstreifen immer wieder darauf hin und her geschoben – auf diese Weise konnten wir flexibel auf Ideen und Einwände eingehen und diese mithilfe unseres Modells visualisieren. Unseren finalen Entwurf haben unsere Gebäudetechniker dann unter Beachtung der baulichen Vorgaben mit einem 3-D-Planungstool am PC umgesetzt und auch direkt Details wie Fluchtwege, Schubladen und Schranktüren eingezeichnet. Das war praktisch und notwendig, da wir so sicher sein konnten, dass sich zum Beispiel Türen und Mobiliar nicht ins Gehege kommen“, verrät Marleen.

Nur wenige Kollegen haben Zutritt

Auch  über die rein baulichen Angelegenheiten hinaus gibt es für das Team einiges zu planen und zu organisieren. Die Kollegen sollen im neuen Sicherheitsbereich Kittel tragen, die sich farblich von den weißen und grünen aus den Bereichen der Sicherheitsstufe 1 abheben. So ist sofort zu erkennen, ob die Arbeitskleidung in der Schleuse wirklich gewechselt wurde. Die Handschuhe sind aus deutlich dickerem Material, da sie wie die Laborschuhe desinfektionsmittelresistent sein müssen. Außerdem gehören Schutzbrille sowie Mundschutz zur Standardausstattung. Insgesamt verfügen nur vier Mitarbeiter des „Tropen-Teams“über eine Zutrittsberechtigung für den Sicherheitsbereich − die Glastür, die die Räume voneinander trennt, öffnet sich nur mit einem freigeschalteten Transponder. „Die vier Kollegen arbeiten schon jetzt mit Viren. Sie werden vor Inbetriebnahme der neuen Arbeitsplätze entsprechend der vorgegebenen Richtlinien geschult und eingewiesen – alle anderen, zum Beispiel Servicetechniker, dürfen die Räume nur in ihrer Begleitung betreten.“

„Die Anfangsphase hat mich an die Zeit erinnert, in der mein Mann und ich während unseres Hausbaus unsere Einbauküche geplant haben“, resümiert Kristin. „Das haben wir nämlich auch erst mal auf dem Papier getan und am Ende hat es so wie hier super hingehauen. Natürlich hatten wir zu Hause deutlich weniger zum Thema Arbeitssicherheit zu beachten, das war hier im Labor schon eine ganz andere Größenordnung“, sagt sie lachend.
Und tatsächlich: Der Grundriss, den mir Marleen auf ihrem Bildschirm zeigt, ähnelt stark einer Raumplanung von Einfamilienhäusern. Allerdings weiß ich nach meiner knapp zweistündigen Führung dank Marleen und Kristin nur zu gut, dass sich die Planung eines S3**-Labors deutlich schwieriger gestaltet als die einer Küche und es mehr zu beachten gilt, als man im ersten Moment vermuten würde.

Ich ziehe meinen Hut vor allen Beteiligten, die zum Gelingen der Mammutaufgabe „Laborplanung“ beigetragen haben. Chapeau und vielen Dank für diesen tollen Einblick!