Im Oktober 2021 hat die Organisation Kidney Disease: Improving Clinical Outcomes, kurz KDIGO, die aktualisierte Fassung einer klinischen Leitlinie für die Behandlung von Patienten mit Glomerulonephritis veröffentlicht. Diese enthält unter anderem Empfehlungen für die Diagnostik der primären membranösen Nephropathie, einer autoimmunen Nierenerkrankung, die in den meisten Fällen durch das Auftreten von Autoantikörpern gegen PLA2R und/oder THSD7A gekennzeichnet ist. Der Nachweis beider Antikörper im Rahmen der Diagnostik dieser Erkrankung ist durch von EUROIMMUN exklusiv einlizenzierte Patente geschützt. 

Die membranöse Nephropathie ist eine chronisch-entzündliche Nierenerkrankung, die im schlimmsten Fall zu vollständigem Nierenversagen führen kann. In 20 bis 30 % der Fälle entsteht die Erkrankung sekundär infolge einer anderen Grunderkrankung (bspw. eine Infektion, eine andere Autoimmunerkrankung, eine Tumorerkrankung oder eine Arzneimittelvergiftung). Bei der Mehrzahl der Patienten ist die Entzündung der Nierenglomeruli jedoch auf Autoantikörper zurückzuführen, die gegen die zwei Proteine Phospholipase-A2-Rezeptor (PLA2R) und Thrombospondin Type 1 Domain-Containing 7A (THSD7A) gerichtet sind. Erst 2009 bzw. 2014 wurden die Autoantikörper als mitverantwortlich für die primäre Form der membranösen Nephropathie (pMN) identifiziert.  

Auch wenn die genauen pathogenen Mechanismen der Entstehung einer pMN bisher noch nicht abschließend erforscht sind, ist es inzwischen allseits anerkannt, dass die Autoantikörper eine pathogene Rolle spielen. Der Stellenwert insbesondere von Anti-PLA2R-Antikörpern, die mit einer Prävalenz von 70 bis 80 % deutlich häufiger vorkommen als Anti-THSD7A-Antikörper (Prävalenz: 2 bis 5 %), hat sich im Zuge zahlreicher Forschungsarbeiten bestätigt und entsprechend wurde der Nutzen des Biomarkers auch in der neuen Leitlinie gewürdigt. 

So gelten Anti-PLA2R-Antikörper inzwischen als diagnostischer Marker der pMN und – durchaus bemerkenswert – eine Diagnose ist auch ohne Biopsie des Nierengewebes möglich, wenn der betroffene Patient neben den klinischen auch die serologischen Kennzeichen der Erkrankung, also Antikörper gegen PLA2R, aufweist. Dies betont die Verlässlichkeit und Aussagekraft von Anti-PLA2R-Antikörpern als Biomarker der pMN, da sonst keine andere Glomerulonephritis derzeit ohne eine Biopsie diagnostiziert werden kann. 

Darüber hinaus zählt die Konzentration der Anti-PLA2R-Antikörper, die auch Hinweise auf die Aktivität und den möglichen Verlauf der Erkrankung liefert, zu den klinischen Kriterien, die zur Bewertung des Risikos für fortschreitendes Nierenversagen bei pMN-Patienten herangezogen werden. Dabei gilt, je höher die Antikörperkonzentration, desto aktiver die pMN und desto höher das Risiko für ein Versagen der Nieren. 

Zudem geht ein Rückgang oder Anstieg der Anti-PLA2R-Antikörperkonzentration üblicherweise den Verbesserungen bzw. Verschlechterungen im Krankheitsverlauf zeitlich voraus, sodass sowohl Phasen der klinischen Remission, aber auch Rückfälle durch das Überwachen der Antikörper vorhergesagt werden können. 

So kann mithilfe des Anti-PLA2R-Antikörperspiegels auch das Ansprechen eines Patienten auf eine immunsuppressive Therapie beurteilt werden. Laut Leitlinie sollte dazu die Antikörperkonzentration drei bzw. sechs Monate nach Therapiebeginn gemessen werden. Der ermittelte Wert dient als Grundlage für eine Beibehaltung oder Anpassung der aktuellen Behandlung. 

Der prädiktive Wert der Anti-PLA2R-Antikörperkonzentration gilt auch im Zusammenhang mit einem Nierentransplantat: Hohe Antikörpertiter vor einer Transplantation deuten auf ein hohes Risiko für ein erneutes Auftreten der pMN hin. Nach dem Erhalt einer neuen Niere hilft die regelmäßige Bestimmung des Antikörperspiegels, mögliche Rückfälle frühzeitig vorherzusehen und entsprechend vorzubeugen. 

Da Anti-THSD7A-Antikörper in erster Linie in anti-PLA2R-negativen pMN-Patienten auftreten, kommt ihnen eine ergänzende Rolle in der Diagnostik der primären membranösen Nephropathie zu. Durch die parallele Bestimmung oder eine zweistufige Screening-Strategie, bei der Patienten mit negativem Anti-PLA2R-Befund auf Anti-THSD7A-Antikörper untersucht werden, kann die serologische Trefferquote erhöht werden.  

EUROIMMUN hat als erstes Unternehmen kommerzielle CE-gekennzeichnete Testsysteme für den Nachweis der beiden Autoantikörper entwickelt und diesen wissenschaftlich-technologischen Erfolg durch Patente geschützt. Somit bieten wir die folgenden Produkte für die Diagnostik der pMN in den Ländern mit Patentschutz exklusiv an:  

Für die Bestimmung von Antikörpern gegen PLA2R stehen mit einem indirekten Immunfluoreszenztest (IIFT), einem ELISA und einem Chemilumineszenz-Immunassay (ChLIA) drei unterschiedliche Testsysteme zur Verfügung. Der IIFT ermöglicht eine sensitive qualitative bis semiquantitative Bestimmung von humanem IgG gegen PLA2R, wohingegen eine Quantifizierung der Antikörperkonzentration zuverlässig mittels ChLIA oder ELISA erfolgen kann. Der Nachweis von Anti-THSD7A-Antikörpern ist mittels IIFT möglich. 

Weitere Informationen finden Sie auch auf unserer Webseite www.pla2r.de.