Schon der Name klingt bedrohlich: Echinokokkosen. Die Erkrankungen können durch Infektionen mit Bandwürmern der Gattung Echinococcus ausgelöst werden. Es gibt im Wesentlichen zwei Krankheitsbilder: Die zystische Echinokokkose (ZE) wird durch den Hundebandwurm (E. granulosus) hervorgerufen, der weltweit verbreitet ist, in Deutschland aber kaum mehr vorkommt. Die alveoläre Echinokokkose (AE) wird durch den Fuchsbandwurm (E. mulitlocularis) verursacht. Er ist auf der nördlichen Hemisphäre zu finden – auch in Deutschland.

Beide Bandwürmer durchlaufen in ihrer Entwicklung einen Wirtswechsel. Die geschlechtsreifen, wenige Millimeter großen Würmer leben im Dünndarm der Endwirte (üblicherweise Hunde und Füchse). Über den Kot scheiden die Fleischfresser die Bandwurmeier aus, die anschließend über eine orale Aufnahme, zum Bespiel durch kontaminiertes Futter, in die Zwischenwirte gelangen. Als solche fungieren meistens Nagetiere und Schafe. Dort entwickeln sich die infektiösen Larven (Finnen). Diese gelangen letztlich durch den Verzehr der befallenen Zwischenwirte wieder in den Endwirt und reifen dort zu den adulten Bandwürmern. Der Mensch fungiert als Fehlzwischenwirt beider Echinococcus Arten. Die resultierenden Krankheitsbilder von ZE und AE unterscheiden sich aufgrund des unterschiedlichen Wachstumsverhaltens der Parasiten im menschlichen Körper.

Die Erkrankungen verlaufen beim Menschen über viele Jahre asymptomatisch, bevor sie sich durch Gelbsucht (cholestatischer Ikterus), Schmerzen im Oberbauch, Abgeschlagenheit, Gewichtsverlust und eine vergrößerte Leber (Hepatomegalie) bemerkbar machen. Unbehandelt können Echinokokkosen zum Tod des Patienten führen.

Bei einer Infektion mit E. granulosus werden die Larven im menschlichen Darm freigesetzt. Über die Pfortader gelangen sie zunächst in die Leber, anschließend auch in andere Organe wie die Lunge. Dort bilden sich flüssigkeitsgefüllte Zysten, deren langsames Wachstum prägend für den klinischen Verlauf der Infektion ist. Durch die Größenzunahme der Zysten wird das umliegende Gewebe verdrängt, was sekundär zu den Symptomen der ZE führt. Durch mögliche bakterielle Infektionen oder die Ruptur der Zysten und einem Austritt der Flüssigkeit kann es zu allergischen Reaktionen und lebensbedrohlichen Komplikationen kommen.

Das Erscheinungsbild der AE entspricht dem eines bösartigen Tumors. Nach dem Transport der Parasiteneier in die Leber entwickelt sich die Larve und wächst in Form multipler, zusammenhängender Vesikel (Pseudozysten). Dabei wuchert sie in das Gewebe und zerstört über Jahre hinweg zunächst oft unbemerkt das Organ. Durch das invasive Wachstum können mit der Zeit auch andere Organe befallen werden.

Die Diagnose einer Echinokokkose wird vor allem durch bildgebende Verfahren gestellt, die die Zysten sichtbar machen. Zur Bestätigung werden serologische Tests angewendet, welche die Antikörper gegen den Parasit im Serum der Patienten detektieren. Der Anti-Echinococcus-granulosus-IIFT (IgA, IgM, IgG) setzt Gefrierschnitte der Echinococcus-Larven als Substrat ein und eignet sich spezifisch für den Nachweis der Antikörper gegen E. granulosus. Der neue Anti-Echinokokkus-ELISA (IgG) hingegen ist ein Suchtest und ermöglicht den Nachweis von Antikörpern sowohl gegen E. granulosus als auch gegen E. multilocularis.