Andes virus outbreak on cruise ship

Wenn seltene Zoonosen reisen: Hantavirus-Infektionen zwischen Kreuzfahrtschiff, Intensivstation und Diagnostik

Im April 2026 begann eine Schiffsreise mit der MV Hondius in Patagonien. Wenige Wochen später beschäftigte dieselbe Reise Gesundheitsbehörden in Europa, Nordamerika, Afrika und Australien sowie Neuseeland: Mehrere Passagiere entwickelten ein schweres Hantavirus-induziertes kardiopulmonales Syndrom (HCPS), drei Menschen starben.1 Der Ausbruch rückte einen Erreger in den Fokus, der bislang vor allem mit abgelegenen Regionen Südamerikas verbunden war – das Andes-Virus aus der Familie der Hantaviridae (ANDV).

Hantaviren: Nicht alle sind gleich

In Europa und Asien endemisch Hantaviren („Old World“-Hantaviren), in Europa vor allem durch das Puumala-Virus bekannt, verursachen typischerweise eine hämorrhagische Fiebererkrankung mit Nierenbeteiligung (HFRS bzw. Nephropathia epidemica), die in etwa 1 bis 15 Prozent der Fälle tödlich verläuft. Das ANDV dagegen gehört zu den sogenannten „New World“-Hantaviren. Diese führen primär zu einem schweren pulmonalen Syndrom mit respiratorischem Versagen und einer hohen Sterblichkeit von bis zu 50 Prozent.2

Besonders relevant: Während alle anderen Hantaviren nur von Nagetieren übertragen werden, ist das ANDV bislang das einzige Hantavirus mit dokumentierter Mensch-zu-Mensch-Übertragung.

Damit verändert sich das Risikoprofil grundlegend. Aus einem einzelnen Infektionsfall wird plötzlich ein potenzielles Ausbruchsszenario, das nicht nur eine schnelle Diagnose sondern auch Kontaktverfolgung, Isolation und internationale Koordination erfordert.

Das Ausbruchsgeschehen rund um die MV Hondius hat gezeigt, wie schnell ein regionaler Erreger global relevant werden kann. Passagiere wurden in ihre Heimatländer zurückgebracht, darunter mehrere europäische Staaten und Kanada.

Gute Vorbereitung beginnt nicht mit einem Hochsicherheitslabor

Nicht bei jeder importierten Infektionskrankheit wird sofort in jedem Krankenhaus ein spezialisiertes Hochsicherheitslabor für die Diagnostik erforderlich. Aber bis eine Probe ein für spezielle Analysen ausgestattetes nationales Referenzzentrum erreicht, kann wertvolle Zeit verstreichen.

Nach einem aktuellen Kommentar des Virologen Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin im The Lancet Regional Health – Europe spielen kommerziell verfügbare serologische Tests eine wichtige Rolle, um Infektionsfälle mit dem südamerikanischen Hantavirus in Europa bestmöglich zu handhaben. Denn sie ermöglichen auch Routine-Laboren eine zeitnahe Probenanalyse. Dadurch entfällt die definitive Befundung durch ein Referenzzentrum zwar nicht, aber diese erste Analyse kann als Grundlage für rasch erforderliche medizinische Entscheidungen dienen.3

Serologie: Ihre Bedeutung für die Diagnostik

Anders als bei vielen akuten Virusinfektionen sind Patienten mit HCPS oft bereits bei Symptombeginn positiv für erste IgM-Antikörper gegen Hantaviren. Mehrere Studien bestätigen, dass Antikörper gegen das virale Nukleokapsidprotein früh und robust auftreten, was die Serologie zu einem wertvollen Werkzeug der Aktudiagnostik macht.3

Multiparametrische Testsysteme bringen noch einen weiteren Vorteil ins Spiel:

Sie ermöglichen den parallelen Nachweis von Antikörpern gegen unterschiedliche „Old World“- oder „New World“-Hantaviren in einem einzigen Testansatz.

Gerade bei importierten Infektionen unklaren Ursprungs kann dies die diagnostische Einordnung erheblich beschleunigen und erleichtern.

Euroimmun-Lösungen für die Hantaviren-Serologie

Mit unserem Angebot aus mehreren spezialisierten serologischen Testsysteme entsprechen wir den diagnostischen Anforderungen von Hantaviren-Infektionen.

Für die Laborroutine besonders relevant sind in der aktuellen Situation folgende Produkte:

Hantavirus Pool 2 „America“ ELISA

Dieser ELISA ermöglicht den Nachweis von IgG- und IgM-Antikörpern gegen die amerikanischen Hantaviren Sin Nombre (SNV) und ANDV und eignet sich insbesondere für:

  • Serologisches Screening
  • Abklärung importierter Infektionen
  • Differenzialdiagnostik bei Reiserückkehrern

Der Assay kann damit wichtige Hinweise auf mit dem HCPS assoziierte Infektionen liefern.

Hantavirus Mosaic 3 „America“ IIFT

Dieser indirekte Immunfluoreszenztest (IIFT) bietet eine differenziertere serologische Charakterisierung und umfasst zwei verschiedene BIOCHIPs, die mit SNV- (BIOCHIP 1) bzw. ANDV-infizierten Zellen beschichtet sind (BIOCHIP 2).

Damit eignet sich der Assay besonders für:

  • Serologische Bestätigung
  • Differenzierte Antikörperprofile

Weitere Informationen über unser gesamtes Testportfolio für die Hantaviren-Diagnostik finden Sie auf unserer Webseite: Emerging Diseases | Euroimmun

 

1WHO: Hantavirus cluster linked to cruise ship travel, Multi-country, Stand 13.05.2026
2WHO: Hantavirus
3Velavan, T. P., Schmidt-Chanasit, J. Preparing Europe for imported Andes virus: the role of rapid serology and molecular diagnostics. The Lancet Regional Health – Europe. https://doi.org/10.1016/j.lanepe.2026.101724 (2026)

 

 

 

 

 

 

 

 

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