Die Identifizierung einer Autoimmunenzephalitis (AIE) bei Patientinnen und Patienten mit psychiatrischen Symptomen ist eine Herausforderung, insbesondere da viele der damit verbundenen Autoantikörper selten sind und nicht routinemäßig getestet werden. Eine aktuelle Fallstudie über eine steroidansprechende Psychose im Zusammenhang mit Anti-Septin-7-Antikörpern — charakterisiert in Zusammenarbeit mit Euroimmun und veröffentlicht in Translational Psychiatry — unterstreicht die Notwendigkeit, bei primären psychischen Störungen auch autoimmune Ursachen in Betracht zu ziehen.
Fallbeschreibung
Die Patientin zeigte einen subakuten Beginn einer Psychose sowie kognitive Beeinträchtigungen, gekennzeichnet durch somatische Wahnvorstellungen, Paranoia, affektive Labilität und Logorrhoe. Sie berichtete über Halluzinationen, darunter das Sehen von Elefanten und das Hören imperativer Stimmen. Darüber hinaus zeigte sie stark desorganisiertes Verhalten, wie beispielsweise Duschen ohne sich auszuziehen und das Trinken aus Porzellanvasen.
Initiale Antikörpertests auf AIE waren negativ. Mehrere „Red Flags“ deuteten jedoch auf eine autoimmune Ursache der Psychose hin. Dazu gehörten eine Resistenz gegenüber antipsychotischer Therapie, eine vorausgegangene epileptische Aktivität, Zittern sowie eine kurz vor Symptombeginn erfolgte Impfung.
Ein Therapieversuch mit intravenösen Kortikosteroiden führte zu einer deutlichen klinischen Verbesserung, wobei alle Verhaltenssymptome innerhalb einer Woche verschwanden. Beim Ausschleichen der Kortikosteroide kam es jedoch zu einem Rückfall mit nahezu identischen Symptomen.
Immunfluoreszenzbefunde
Ein indirekter Immunfluoreszenztest (IIFT) auf murinem Hirngewebe zeigte neuropilbindende Autoantikörper, die sowohl im Serum als auch im Liquor (CSF) mit der molekularen Schicht des Kleinhirns reagierten. Eine anschließende Untersuchung mittels Immunpräzipitation und Massenspektrometrie identifizierte Antikörper gegen Septin‑7 und stützte damit die Diagnose einer AIE.
Zur Bestätigung wurden rekombinante zellbasierte IIFTs (CBAs) durchgeführt, bei denen transfizierte Zellen verwendet wurden, die einen multimeren Komplex aus Septin‑3, ‑5, ‑6, ‑7 und ‑11 exprimierten, ebenso Varianten ohne einzelne Septine sowie Septin-Monomere. Das Einzelexpressionssystem bestätigte die Antikörperbindung an Septin‑7; entsprechend führte das Entfernen von Septin‑7 aus dem multimeren Komplex zum Verlust der Reaktivität.
Erkenntnisse zur Anti-Septin-7-Enzephalitis
Die Anti-Septin-7-Enzephalitis ist eine kürzlich entdeckte Erkrankung, von der bislang weniger als 20 Fälle beschrieben wurden. Die meisten Patientinnen und Patienten sprechen auf eine immunsuppressive Therapie an.
Der klinische Phänotyp unterscheidet sich von anderen Septin-assoziierten Autoimmunerkrankungen. Während Anti-Septin‑5- und Anti-Septin‑3-IgG mit zerebellärer Ataxie assoziiert sind, ist Anti-Septin‑7-IgG überwiegend mit psychiatrischen Symptomen verbunden. Der Zusammenhang zwischen Anti-Septin‑7-Antikörpern und Psychose wird durch frühere Studien gestützt, die reduzierte Septin‑7-Expression im postmortalen Hirngewebe von Menschen mit Schizophrenie nachgewiesen haben.
Warum dieser Fall wichtig ist
Dieser Fall verdeutlicht, dass eine AIE hinter den Symptomen von Patientinnen und Patienten stehen kann, bei denen initial eine primäre psychische Störung diagnostiziert wurde. In diesem Fall wurde die endgültige Diagnose erst Jahre nach Krankheitsbeginn gestellt. Eine sorgfältige Bewertung von AIE-„Red Flags“ ist entscheidend, da Betroffene von einer immunsuppressiven Therapie profitieren können — und nicht ausschließlich von konventioneller psychiatrischer Behandlung.
Mit Blick in die Zukunft könnte die Entdeckung neuer Autoantikörper-Zielstrukturen wertvolle Einblicke in die molekulare Pathophysiologie schwerer psychiatrischer Erkrankungen liefern.
Mehr über den Fall erfahren Sie in Translational Psychiatry.
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