Laut einer aktuellen Veröffentlichung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) übersteigt die Gesamtzahl der in diesem Jahr in Europa gemeldeten Fälle von West-Nil-Fieber (WNF) bei Weitem die der letzten fünf Jahre.

Das West-Nil-Virus (WNV) gehört zu den am weitesten verbreiteten Flaviviren. Das durch eine WNV-Infektion ausgelöste WNF ist eine auf allen Kontinenten endemisch vorkommende Zoonose. Das Virus ist u.a. in Afrika, Israel, der Westtürkei, dem Mittleren Osten, Indien, Teilen Südostasiens und inzwischen auch in Nord- und Teilen Mittelamerikas verbreitet. In Europa kam es in der Vergangenheit zu saisonalen Ausbrüchen oder vereinzelten Übertragungen.

Hauptsächlich wird das WNV von einer Vielzahl von Stechmücken (vor allem Culex-, aber auch Aedes- und Mansonia-Arten) auf wild lebende Vögel übertragen. Infizierte Mücken können das Virus aber auch an Säugetiere (v.a. Pferde) oder Menschen weitergeben. WNF-Ausbrüche stehen erfahrungsgemäß im engen Zusammenhang mit günstigen Bedingungen für die Vektoren. Oft sind gehäufte Krankheitsfälle bei Pferden oder Vögeln Anlass dafür, auch mögliche Übertragungen auf den Menschen im Blick zu haben.

In diesem Jahr wurden bislang insgesamt 1.670 humane WNF-Fälle u.a. in Italien, Griechenland, Rumänien, Ungarn, Kroatien, Frankreich, Österreich, Bulgarien, Slowenien und der Tschechischen Republik gemeldet (Stand: ECDC, Anfang Oktober 2018). In 2017 wurden europaweit hingegen nur 260 WNF-Fälle beschrieben. Unter den bisher in 2018 aufgetretenen humanen WNF-Fällen, wurden 142 Todesfälle verzeichnet. Auch bei Pferden gab es im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme von WNV-Infektionen in Europa.

Das West-Nil-Virus in Deutschland

Zur Transmission des Virus geeignete Vektoren sind auch deutschlandweit verbreitet. Mit Stand Ende September 2018 wurde das WNV in 7 Vögeln (drei in Gefangenschaft gehaltene Eulenvögel, drei Greifvögel und ein Drosselvogel) und einem erkrankten Pferd nachgewiesen. Die Haltungs- bzw. Fundorte der Tiere erstreckten sich über Bayern, Sachsen, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Diese Infektionen, insbesondere bei den in Gefangenschaft gehaltenen Tieren, weisen deutlich auf autochthone Stechmückenübertragung zwischen Vögeln und mindestens in einem Fall vom Vogel zum Pferd hin.

Autochthone menschliche Fälle waren bisher in Deutschland nicht bekannt. Laut ProMED (Program for Monitoring Emerging Diseases) gibt es jedoch Beweise für den ersten in Deutschland erworbenen Fall des WNF. ProMED bezieht sich hierbei auf eine Stellungnahme des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr (München, Deutschland). Dieses hatte bei einem männlichen Tierarzt aus Bayern nach Kontakt eine WNV-Infektion diagnostiziert, nachdem er Kontakt mit einem infizierten Vogel hatte.

Symptome des West-Nil-Fiebers

Beim Menschen zeigen sich nach Infektion mit West-Nil-Viren in den meisten Fällen keine Symptome. Nur etwa 20% der Infizierten entwickeln eine fieberhafte, grippeähnliche Erkrankung, die zirka 3-6 Tage andauert. Des Weiteren geht die Infektion mit Übelkeit, Schüttelfrost, Kopf-, Rücken-, Gelenk- und Muskelschmerzen und anderen unspezifischen Symptomen wie Appetitlosigkeit, Husten und Halsschmerzen einher.

In 25-50% der symptomatischen Fälle treten zudem Exantheme an Brust, Rücken und oberen Extremitäten sowie Lymphknotenschwellungen auf. Schwere klinische Verläufe einer WNV-Infektion sind durch Myokarditis, Pankreatitis und Hepatitis sowie durch neurologische Krankheitsbilder gekennzeichnet. Die neurologischen Symptome beginnen nach einem kurzen fiebrigen Stadium und manifestieren sich in Form von Enzephalitiden und Meningoenzephalitiden. Das WNF heilt in der Regel komplikationslos aus, bei Enzephalitis-Patienten sind Spätfolgen jedoch relativ häufig. Die Letalität einer durch eine WNF-Infektion ausgelöste Enzephalitis beträgt 15–40 % und betrifft vor allem ältere Patienten.

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Die Diagnose einer WNV-Infektion erfolgt durch den direkten Virusnachweis oder durch den Nachweis spezifischer Antikörper. Da IgM-Antikörper über längere Zeit persistieren können, empfiehlt sich für die Unterscheidung zwischen einer akuten und einer überstandenen Infektion die zusätzliche Bestimmung niedrig-avider IgG-Antikörper.

EUROIMMUN bietet für die Detektion spezifischer Anti-West-Nil-Viren-Antikörper (IgM, IgG) diverse Produkte für die Human– und Veterinärdiagnostik an: ELISA oder Immunfluoreszenztests.

Weitere Informationen sind auch im folgenden Beitrag zu finden:

https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/West-Nil-Fieber-in-Deutschland-auf-dem-Vormarsch,westnilfieber100.html

 

Quellen:

ECDC-Report

https://ecdc.europa.eu/en/west-nile-fever/surveillance-and-disease-data/disease-data-ecdc

ProMED

https://www.promedmail.org/