Neue Erkenntnisse zur Übertragung des Oropouche-Virus

Eine Studie zum Oropouche-Virus (OROV) liefert neue Erkenntnisse über aktuelle und historische Ausbrüche dieses vernachlässigten Virus in Lateinamerika und der Karibik. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit Euroimmun und Euroimmun Brasilien durchgeführt und in (der Fachzeitschrift) Nature Medicine veröffentlicht.

Das Oropouche-Virus

OROV ist ein durch Vektoren übertragenes Virus (Arbovirus) welches das Oropouche-Fieber verursachen kann. Obwohl eine OROV-Infektion häufig mild verläuft und von selbst ausheilt, kann sie bei einigen Betroffenen zu schweren Komplikationen wie Meningitis, Enzephalitis, unerwünschten Schwangerschaftsverläufen oder zum Tod führen. Das Virus wird hauptsächlich durch Mücken der Art Culicoides paraensis auf den Menschen übertragen.

OROV ist seit den 1950er-Jahren im Amazonasgebiet endemisch. Ende 2023 führte ein erneuter Ausbruch zu einer großflächigen Epidemie in Mittel- und Südamerika. Dieses Wiederauftreten wird mit einer neuen genetischen Variante des Virus in Verbindung gebracht, die möglicherweise anpassungsfähiger ist und schwerere Krankheitsverläufe verursachen kann.

Wahrscheinlich begünstigten Veränderungen der Landnutzung und der Umwelt sowie die zunehmende Mobilität der Menschen das Wiederaufflammen von OROV. Zudem könnten infizierte Reisende, die weite Verbreitung der Überträgermücke Culicoides paraensis sowie eine Bevölkerung ohne bestehenden Immunschutz dazu beigetragen haben, dass sich das Virus über das Amazonasgebiet hinaus ausbreiten konnte.

Seroprävalenz in einem Ballungszentrum

In der Studie wurde die Übertragungsdynamik von OROV in der Stadt Manaus, Brasilien – der größten Metropole des Amazonasgebiets – untersucht. Aufgrund der hohen Bevölkerungsdichte und der ausgeprägten Mobilität, die unter anderem durch einen internationalen Flughafen ermöglicht wird, gilt die Stadt als potenzieller Knotenpunkt für die Verbreitung von OROV über das Amazonasgebiet hinaus. Die gemeldete kumulative Inzidenz des Oropouche-Fiebers liegt in Manaus über dem brasilianischen Landesdurchschnitt.

Die Prävalenz von Antikörpern gegen OROV wurde zu verschiedenen Zeitpunkten in Blutspendeproben mithilfe des Anti-Oropouche Virus ELISA (IgM/IgG)* von Euroimmun untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass der erneute Ausbruch von OROV-Infektionen zu einem Anstieg der IgG-Seroprävalenz von 11,4 % im November 2023 auf 25,7 % im November 2024 führte. Die hohe Übereinstimmung zwischen dem ELISA und einem Fokus-Reduktions-Neutralisationstest als Goldstandard bestätigte die Zuverlässigkeit der Ergebnisse. Neutralisationsstudien ergaben zudem, dass OROV-spezifische IgG-Antikörper von zuvor infizierten Personen sowohl den früheren als auch den gegenwärtig zirkulierenden Virusstamm neutralisieren konnten.

Übertragungsdynamik

Die Rekonstruktion der historischen OROV-Zirkulation in Manaus deutet auf eine kontinuierliche Übertragung auf niedrigem Niveau hin, ergänzt durch größere Ausbrüche in den Jahren 1980/1981 sowie 2023/2024.

Beide Ausbrüche wiesen eine vergleichbare Saisonalität und Größenordnung auf. Auf Basis epidemiologischer Daten aus den Jahren 1960 bis 2022 wurde die Zahl der Infektionen in Lateinamerika und der Karibik während dieses Zeitraums auf mehr als 9,4 Millionen geschätzt. Die Diskrepanz zwischen den erfassten Fällen und der geschätzten Zahl der Infektionen deutet auf eine frühere Untererfassung von OROV-Infektionen hin.

Bedeutung der Studie

Die Studie liefert eine umfassende Analyse der OROV-Übertragung in Manaus und trägt dazu bei, besser zu verstehen, wie sich OROV ausbreitet, welche Faktoren diese Ausbreitung begünstigen und welche Krankheitslast das Virus in Lateinamerika und der Karibik verursacht.
Die wahrscheinliche Untererfassung von OROV-Infektionen unterstreicht die Bedeutung einer kontinuierlichen Überwachung und qualifizierter Diagnostik in Regionen, in denen mehrere Arboviren zirkulieren.

 

*Der Anti-Oropouche Virus ELISA (IgM) und der Anti-Oropouche Virus ELISA (IgG) sind von der ANVISA in Brasilien zugelassen und werden in Kürze auch mit CE-Kennzeichnung erhältlich sein.

 

Die vollständige Publikation finden Sie hier:

Manuli ER, Hua X, Scachetti GC et al. Transmission dynamics of Oropouche virus in Latin America and the Caribbean. Nature Medicine 32(4):1383-1392 (2026). DOI: 10.1038/s41591-026-04221-z.

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